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Jutta Glaser, Sängerin |
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Interview |










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Frau Glaser, Sie sind eine außergewöhnliche Jazzsängerin. Bei Ihren Konzerten singen Sie nicht nur Worte, sondern beeindrucken sehr durch den avantgardistischen Einsatz Ihrer Stimme. Wie muss man sich Ihre Vorbereitung auf ein Konzert vorstellen?
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Für mich ist es wichtig, eine Vorstellung der konkreten Situation zu gewinnen. Ich stelle mir die Frage nach den Bedingungen, die ich vorfinden werde. Es hilft mir sehr, wenn ich mir ein Bild machen kann. Wie groß ist die Bühne? Welche Musiker befinden sich um mich herum? Ich stelle mir die Instrumente vor. Welches Licht wird mich umgeben? Wie werde ich mich fühlen? Möchte ich sitzen oder lieber stehen? Ich brauche im Vorfeld die Wahrnehmung der Situation. Ich gehe dabei auf Tuchfühlung mit dem Auftritt und stelle damit eine Körperlichkeit, eine Beziehung her. Hierzu ziehe ich mich an einen ruhigen Ort zurück.
Warum ist es Ihnen so wichtig positive Gefühle mit einem Auftritt zu verbinden?
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Musik ist Emotion. Um gut zu singen will ich emotional vorbereitet sein. Ich will gerne an diesen Ort kommen, an dem ich künstlerisch tätig bin. Das heißt, ich versuche mir die Aufgeregtheit, die kommen kann, schon vorher vorzustellen. Ich versuche mir vorzustellen, in welchem Raum ich mich innerlich bewege. Und wie die äußeren Räume und die inneren Räume miteinander zusammen gehen.
Ist das auch ein Mittel gegen „Lampenfieber“?
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Eine gewisse Aufregung finde ich nicht schlecht. Lampenfieber gibt es ja graduiert. Es gibt schreckliches Lampenfieber, das so schlimm ist, dass du nicht richtig stehen kannst, und dass du dann zitterst. Ich habe das mal erlebt. Ich habe damals bei einem Wettbewerb mitgemacht. Und ich mache ja nicht oft bei Wettbewerben mit. Und bei diesem Wettbewerb da habe ich mich dermaßen beurteilt gefühlt, und so in die Welt geschmissen. Der Grund hierzu war wahrscheinlich, dass ich mich auf meinen Kollegen, mit dem ich zusammen Musik gemacht habe, nicht richtig verlassen habe - innerlich. Das habe ich aber erst hinterher gemerkt. Ich habe total gezittert und musste meine Schuhe ausziehen. Ich wollte so richtig auf den Füßen stehen, damit ich überhaupt merkte, dass ich da war. Und außerdem war die Vorbereitung auf diesen Wettbewerb zu lang. Es ist nicht gut, wenn man zu lange warten muss.
Haben Sie noch ein weiteres „Erfolgsgeheimnis“?
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Mir tut es gut, wenn ich mich unmittelbar vor dem Auftritt bewegen kann. Wenn ich meine Nervosität, die ich habe, körperlich ausleben kann. Wenn ich einfach in Bewegung sein darf. Oder wenn ich spüren kann, wie ich im Körper bin - meine Atmung wahrnehme. Und dann gibt es noch eine ganz tolle Übung, die ich in letzter Zeit öfters mache. Sie nennt sich „die goldene Lichtübung“. Das heißt, ich stelle mir vor, dass ich goldenes Licht einatme, etwas Helles. Ich bin in einem Raum, atme dieses helle, goldene Licht ein und strahle es wieder aus. Diese Übung wiederhole ich mehrmals. Das hilft.
Wann ist eine Prüfung leicht, und wann ist eine Prüfung schwer?
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Eine Prüfung ist immer schwer - vorher. Wenn man zurückschaut, dann war sie entweder leicht oder schwer.
Es ist also eine Frage des Blickwinkels?
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Ja. Gut vorbereitet zu sein bedeutet, ein kleines bisschen weiter zu sein als eigentlich nötig. Das schafft Reserven. - Aber ich denke, eine Prüfung ist so etwas wie eine Verwandlung. Du gehst da durch was durch und du veränderst dich. Ich würde versuchen, etwas Gutes, etwas Positives an einer Prüfung zu finden. Ich würde versuchen, irgendeinen Sinn darin zu sehen. Auch wenn es den hätte, dass ich endgültig damit abschließe. Den Sinn, zu sagen „das ist mein Abschluss, den ich jetzt damit gebührend feiere“, indem ich dahin gehe und sage „Auf Wiedersehen“.
Pausen. Wie wichtig sind Pausen? Braucht man Pausen auch beim Konzert?
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Pausen sind sehr wichtig. Ich mache immer schon eine Pause, bevor ich überhaupt anfange. Und zwischen den Stücken mache ich auch gern Pausen. Das bringt einen wieder auf andere Gedanken. Eine Pause erfrischt. Eine Pause heißt für mich einfach mal Anhalten, Stopp - ich kann sogar kurz „Stopp“ sagen.
Kennen sie das Gefühl der Niederlage? Wie gehen sie damit um?
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Sicher - die erste Niederlage ist immer die schlimmste.
Ist eine Niederlage immer mit persönlichem Scheitern verbunden?
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Ja, auf jeden Fall. Ich finde es problematisch wenn man eine Niederlage rationalisiert. Zu sagen „Das war nur ein schlechter Tag“ ist oft falsch. Richtiger sind die Aussagen: „Ja es war so. Es hat nicht gereicht“ oder „es war nicht gut genug“. Mann kann ja auch mal nach einem Grund suchen. Das ist nicht schlecht, zu wissen, warum es nicht geklappt hat. Und dann kann man auch Konsequenzen ziehen, damit sich beim nächsten Mal mehr Erfolg einstellt.
Ist eine Niederlage für sie eher ein Ansporn?
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Das müsste man so sehen. Aber ich hatte auch schon Niederlagen, die mir ganz klar gemachten haben das ich aufhören muss damit. Das war eigentlich oft auch eine gute Auslese, eine gute schlechte Erfahrung.
Kann man den Umgang mit Niederlagen lernen?
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Man kann dies nur lernen, wenn man bereit ist sich mit einer Situation auseinander zusetzten.
Hat man nach einer Niederlage noch mehr Angst zu scheitern?
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Direkt nach einer Niederlage schon. Dann ist man durcheinander. Man braucht dann eine Pause. Und Klarheit.
In wieweit spielt die persönliche Lebenssituation dann eine Rolle. Braucht man eine Atmosphäre, in der man es sich leisten kann Kräfte zu sammeln?
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Das persönliche Umfeld ist sehr wichtig. Wenn die Atmosphäre eher feindlich oder verständnislos ist, wenn man sich alleine fühlt wird es noch schwerer.
Sie machen auch Konzertreisen in die ganze Welt.
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Ja, mit dem Afrikachor war ich gerade in Südafrika. Dieser Chor hat ein Patenkind. Das ist ein ganzes Dorf in Swasiland. Dort gibt es nichts. Nur den Chor. Es gibt 40 % Aidsrate. Viele Waisenkinder. Wir tun das auch um für uns etwas Gutes zu tun. Das ist ein Hobby.
Singen die Chöre in Afrika anders?
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Wir waren dort in einem Slum. Stellen sie sich einen Hügel vor. Weit und breit um den Hügel gab es nur Baracken. Wir sind dann dort auf dem Hügel in eine Kirche gegangen. Dort sangen Kinder. Und ich habe nur weinen müssen. Die haben so unvorstellbar beeindruckend gesungen. Da war die ganze Sehnsucht nach einer besseren Welt zu Hören. Und voller Energie. Wunderschön und hochmusikalisch. Für diese Kinder war singen wie essen.
Was würden sie einem Schüler, der vor einer wichtigen Prüfung steht raten?
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Ich glaube es ist wichtig, dass er einen Rhythmus findet. Den Rhythmus der Vorbereitung. |
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