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BELTZFORUM
   

Dr. Stephan Hering-Hagenbeck,
Direktor vom Tierpark Hagenbeck Hamburg

 

Interview












Herr Dr. Hering-Hagenbeck, Sie sind der Geschäftsführer vom Tierpark Hagenbeck, dem weltbekannten Zoologischen Garten in Hamburg. Da spielt sicher gegenseitiger Respekt eine große Rolle?
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Beim Umgang mit Tieren und beim Blick auf die Natur muss der Begriff Respekt in doppelter Bedeutung Verwendung finden. Zunächst bedeutet der Begriff „Rücksicht“ im eigentlichen Sinne, dass wir die Bereitschaft mitbringen müssen, aus den Dingen der Vergangenheit zu lernen. Diese Erfahrungen sollten dazu beitragen, den Blick zu verifizieren und die Zusammenhänge besser kennen zu lernen. „Nur was ich kenne, kann ich lieben und nur was ich liebe, kann ich auch schützen“, heißt es in einem Zitat. Denn unsere Natur befindet sich ständig im Wandel. Da wird Neues geboren und vieles andere ausgerottet. Die Natur kann sich nicht an die Geschwindigkeit anpassen, in der wir uns weiterentwickeln und insbesondere wir uns zahlenmäßig vervielfältigen. Aus dieser Erkenntnis heraus sollte dann der Respekt im Sinne der Achtung vor der Schöpfung und der Blick in die Zukunft resultieren. Die Natur kennen zu lernen in ihrer Schönheit und ihrer Vollkommenheit, das halte ich für sehr wichtig. Die Natur braucht uns Menschen nicht, aber wir brauchen die Natur! Wir haben nur einen Planeten!!! Wenn wir unsere Umwelt respektieren, können wir uns auch untereinander respektieren.


Sie sagten einmal, für Sie sei die Erfahrung wichtig gewesen, körperliche Grenzen zu erleben. Warum ist es so wichtig, seine persönlichen Grenzen zu kennen?
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Weil man sich dann sehr viel besser einschätzen kann. Ich glaube, im Menschen wohnt eine gewisse Sehnsucht inne, seine körperlichen Grenzen zu entdecken. Das sieht man an den steigenden Zahlen von Menschen, die Grenzerfahrungen suchen. Die Wahrnehmung körperlicher Grenzen wird in unserer technisierten Welt nicht mehr ausreichend gefordert und gefördert. Als der Mensch noch sehr viel näher am ursprünglichen Teil der Natur gewesen ist, hat jedes Individuum diese Erfahrungen machen müssen. Es hat gelernt, was es sich zumuten kann und was nicht. Und ich glaube, diese Erfahrungen sind ungeheuer wichtig im Leben. In Verbindung mit dem Lernen ist es elementar, wirklich echte Erfolgserlebnisse zu haben. Wer sich ständig Ziele setzt, die körperlich und geistig unerreichbar sind, der mutet sich irgendwann gar nichts mehr zu.


Ist es eine wichtige Voraussetzung für ein Erfolgserlebnis, sich etwas zuzumuten?
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Ein Erfolgserlebnis entsteht, wenn das erreichte Ziel anspruchsvoll war. Wenn also eine Phase der Anstrengung stattfinden musste, um es zu erreichen. Sich solche Ziele zu setzen, ist mutig. Und wenn das Erreichen von anspruchsvollen Zielen dann noch von außen wahrgenommen wird, ist das eine tolle Bestätigung. Wenn also persönlicher Erfolg gelobt wird, dann wird die Anstrengung zum Erlebnis.


Was aber, wenn sich stattdessen Misserfolg und Kritik einstellen? Kennen Sie auch diese Seite, das Gefühl einer Niederlage?
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Natürlich kenne ich das Gefühl der Niederlage. Das bleibt ja nicht aus. Wie lernen Jungvögel das Fliegen? Indem sie sprichwörtlich öfters „auf den Schnabel fallen“. Niederlagen sind als Herausforderung zu interpretieren. Und dabei gibt es unterschiedliche Qualitäten von Niederlagen. Wenn ich bei einer mir wichtigen Aufgabe eine Niederlage erleide, dann belastet mich diese Erfahrung besonders. Trotzdem muss es aber weiter gehen. Niederlagen dürfen nicht zur Resignation führen. Gerade dann versuche ich einen zweiten Ansatz, einen neuen Weg. Die Wahrnehmung einer Niederlage steht also immer in Verbindung mit den persönlichen Zielen. Welche Ziele sind mir selbst wirklich wichtig? Wie nehme ich die Aufgabe an? Und hieraus wiederum entwickelt sich die Wertung. Traue ich es mir selber zu, dass ich dieses Ziel erreiche? Habe ich dafür ausreichendes Selbstbewusstsein?


Wenn Sie an Ihre Schulzeit denken, wie sind Sie strategisch bei Klassenarbeiten vorgegangen?
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Wenn ich in der Schule eine Aufgabenreihe hatte, dann habe ich mich zunächst auf die schwerste Aufgabe zuerst konzentriert. Mit der Folge, dass ich dann meistens überhaupt nicht fertig geworden bin. Das war damals für mich und meine Art zu arbeiten der falsche Weg. Später habe ich aus dieser Erfahrung mein Vorgehen verändert, ich startete zunächst mit den leichteren Aufgaben, um dann aus der sicheren Position auch noch die Lorbeeren abzuholen.


Oft kommt lange vor den Lorbeeren erst einmal das Lampenfieber. Macht das eine Prüfung nicht noch schwieriger?
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Als ich das erste Mal vor der Kamera stand oder vor einem großen Auditorium etwas sagen durfte, hatte ich schon Lampenfieber. Dennoch sollte man versuchen, auch wenn man Lampenfieber hat, eine neue Herausforderung anzunehmen und sie durchzustehen. „Nobody is perfect“ und irgendwann hat jeder angefangen. Und ein bisschen Vergangenheit ist in jedem Menschen der Gegenwart. Wenn man kein Lampenfieber mehr hat, dann ist der Bezug zum Thema nicht mehr gegeben und die Arbeit wird schlecht. Lampenfieber gehört zum Gelingen.


Würden Sie Herausforderungen auch dann annehmen, wenn Sie nicht sicher sind, ob alles gut geht?
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Ich habe mich eigentlich grundsätzlich immer neuen Herausforderungen gestellt. Wer etwas tut, begibt sich in die Gefahr des Scheiterns, das ist so. Auch wenn es manchmal vielleicht nicht so gelaufen ist, wie ich gedacht hatte, man ist definitiv um eine Erfahrung reicher. Dann gilt es im Nachgang noch einmal zu rekapitulieren, den Rückblick zu wagen. Respekt zu haben auf das Scheitern. Was ist da schief gelaufen? Wie kann ich das ausbauen? Wie kann ich das verbessern? Daraus lernt man; aber nur, wenn man mutig genug ist, die Herausforderung anzunehmen. Und dazu gehört eben auch die Gefahr des Scheiterns.


Was würden Sie einem jungen Menschen raten, der vor einer wichtigen Prüfung steht?
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Zunächst sollte er versuchen, die Fragestellungen genau zu erfassen, um sich dann erst auf bestimmte Bereiche zu konzentrieren. Er sollte eine Entscheidung treffen: Die Entscheidung Wichtiges von weniger Wichtigem zu trennen. Auf Lücke lernen, halte ich für eine ganz gute Strategie. Es gilt Themen und Bereiche zu entdecken, die man kann und die man beherrscht. Und es gilt weiterhin andere Inhalte ausfindig zu machen, die intensiv bearbeitet werden müssen. Bloß nicht einen riesigen Berg vor sich aufbauen und nicht wissen, wie es weitergeht, und man braucht dann drei Tage, um mit dem effektiven Lernen zu beginnen. Also, analytisch an die Sache rangehen: Was habe ich? Wie ist dieser Berg an Arbeit aufgebaut? Ein Bergsteiger kann dazu sicherlich viel sagen. Man schaut sich den Berg an. Man sucht sich seine Route heraus. Welche Route kann ich schaffen? Wie lange brauche ich dazu? Was kann ich mir selber zumuten? Gute Vorbereitung ist gute Lernplanung - verbunden mit der Kenntnis individueller Stärken.
 
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