Lernen lernen Studienhaus am Dom
Willkommen Schulseminare
FerienkurseLernmethodikSeminareLernmittelverlagInfos & mehrKontaktStart
Vortragsangebote
Oberstufentraining





Jutta Glaser
Irene Gleeson
Stephan Hering-Hagenbeck
Sabriye Tenberken
Peter Schell
Rainer Schmitt
Pater Siebner SJ
   Kai Weyand

BELTZFORUM
   

Peter Schell, Schauspieler

 

Interview












Herr Schell, was bedeutet für Sie als Schauspieler der Begriff Prüfung?
---
Als Schauspieler unterziehe ich mich vermeintlich freiwillig der »Prüfung« durch ein Publikum. Das Wort »Prüfung« gehört für mich jedoch eher in den schulischen Bereich. In der Regel wollen dort die Lehrer prüfen, ob und wie viel in den Köpfen ihrer Schüler hängen geblieben ist. Als Schauspieler habe ich zuerst vor, das Publikum zu entführen in eine Geschichte, ein Spiel, das berühren kann. Vor Auftritten erlebe ich mitunter ähnliche Nervosität wie vor schulischer Prüfung. Sie beinhaltet die Aufregung, dass mir eine Menschenmenge die Chance gibt, etwas zu zeigen, darzustellen, einleuchten zu lassen.


Wie bereiten Sie sich auf eine solche Prüfung vor?
---
Wenn wir die Vorstellung im Theater als Prüfung sehen wollen, dann besteht meine Vorbereitung darin, mir zuerst für mich selber so klar wie möglich zu werden, was ich darstellen möchte und welche Form mir dafür am besten liegt und dem Publikum hoffentlich gefällt. Dann folgt die Ausarbeitung, bei der ich mich Intuition und Inspiration öffne; und will sich keines von beidem einstellen, versuche, die Geduld nicht zu verlieren. Vor dem Auftritt dann besteht die mentale Vorbereitung in Ruhe und Gelassenheit üben. Selbst wenn innerlich alles vibriert, bleibt, was immer das ist, was die Nervosität wahrnimmt, still.


Sie sind ein erfolgreicher Fernsehschauspieler. Gibt es da noch Prüfungsangst für Sie?
---
Das dürfte etwas über ein Jahr her sein, dass ich die Einweihung der neuen Schwarzwaldbahn in Villingen-Schwenningen vor Größen aus Politik und Wirtschaft zu moderieren hatte. Es lief dann irgendwie alles ganz gut. Allein, ob ich das gemeistert habe, weiß ich nicht. Die Angst und Nervosität im Vorfeld stand in keinem Verhältnis. Ich erinnere mich, dass ich mir sagte, mehr als tot umfallen kann eigentlich nicht passieren und das kam mir angesichts meiner Angst zu versagen, harmlos vor. Dennoch: Moderationen für solche Gremien werde ich nicht mehr so leichtfertig annehmen.


Kennen Sie das Gefühl einer Niederlage – wenn ja, wie haben Sie diese Situation gemeistert?
---
Ich bin ein leidenschaftlicher Tennisspieler und da kommt es immer mal wieder vor, dass man ein Spiel verliert, das man hätte gewinnen müssen. Gegen einen stärkeren Gegner zu verlieren ist unproblematisch; und da gelingt mir auch schon mal eine Überraschung. Aber wenn ich gegen einen Spieler verliere, den ich im Sack haben müsste – und man spürt das relativ schnell und sicher, ob man technisch und spielerisch dazu in der Lage ist – und dann wird man von seinen eigenen Nerven geschlagen. Das ist dann richtig bitter und kann einem, so ist das bei mir, noch länger anhängen.


Was verstehen Sie unter Erfolg?
---
Ich mag dieses Wort nicht so besonders. Wenn wir immer nur Sieg, Prüfungen bestehen, eine Frau aufreißen oder ähnliches als Erfolg sehen, geraten wir in unserer Erfolgsgesellschaft ganz schön unter Druck. Daher möchte ich etwas unorthodox behaupten, wenn ein Mensch lebt, anderen keinen Schaden zufügt und einmal glücklicher, das andere mal unglücklicher ist und sich selbst so genügt wie er ist, ist das großartiger als alle Erfolge der Welt.


Noch einmal zurück zur Bühne – inwiefern sind das »Bretter, die die Welt bedeuten?
---
Was mir wichtig scheint im Hinblick auf Auftritte vor Publikum, dass es sich jedes Mal um Energie handelt, die miteinander erlebt, gespürt, ausgetauscht wird. Es wird davon gesprochen, dass ein Akteur oder eine Vorstellung das Publikum fesseln könne. Es geschieht meiner Meinung nach eine Kommunikation, die mehr über die Sinne, als allein über den Verstand oder die Sprache läuft. Ich habe erst im Alter gelernt, das Publikum und seine Verfassung unabhängig vom Dargebotenen wahrzunehmen. Habe ich früher das Tempo angezogen, sobald ich gespürt habe, dass nicht alle Zuschauer mir aufmerksam folgen, werde ich heute eher ruhiger und lasse mal da und dort eine Pause, die mit etwas Glück die Aufmerksamkeit und Spannung im ganzen Raum und auch bei mir steigert.


Haben Sie einen Tipp für einen Menschen, der eine wichtige Prüfung vor sich hat?
---
Aber sicher. Ein bisschen üben, wenn’s drin liegt, Umstände schaffen, die das Lernen leicht und vielleicht sogar spaßig machen. Und dann heiter und gelassen bleiben.
 
-------------------------------------------------------------------------