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Tischtennis-Weltmeister (Paralympics)
Rainer Schmidt |
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Interview |










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Herr Pfarrer Rainer Schmidt, im Tischtennissport sind mit Ihrem Namen viele Erfolgsmeldungen verbunden. Wie definieren Sie für sich persönlich den Begriff "Erfolg", was war Ihr bisher größtes Erfolgserlebnis?
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Für mich ist der schönste Erfolg, über mich hinauszuwachsen. Auf Tischtennis bezogen heißt das, nur der Sieg macht mich wirklich glücklich bei dem ich alles geben musste. Daher sind meine beiden größten Erfolge im Tischtennis die gewonnene Kreismeisterschaft 198? in Bielstein und die Goldmedaille bei den Paralympics 1992 in Barcelona. In Bielstein habe ich direkt mein erstes Spiel verloren, mich dann aber über 8 Runden bis ins Finale gekämpft, wo der Spieler aus Runde 1 auf mich wartet. Den musste ich zweimal besiegen, da im Doppel-KO System gespielt wurde. Physisch am Limit habe ich mich in einen Rausch gespielt und es schließlich geschafft. In Barcelona war es ähnlich. Allerdings gab es da 12.000 Zuschauer und also musste ich auch noch die Nervosität besiegen. In diesem Endspiel habe ich dann sensationelle Bälle gespielt und das wurde mit standing ovations vom Publikum belohnt. Kurzum, je mehr ich mich für den Sieg anstrengen musste, desto schöner der Erfolg. Nichts ist langweiliger als einen hoffnungslos unterlegenen Gegner zu besiegen. Wie im Sport erlebe ich das übrigens auch sonst. Die bestandenen Prüfungen, für die ich richtig ackern musste, haben mich überglücklich gemacht. Unterforderungen langweilen mich. Überforderungen machen mir allerdings Angst. Um Erfolg zu erleben brauche ich also eine Herausforderung, die mir möglich erscheint, aber all meine Kraft verlangt.
Haben Sie auch schon Situationen erlebt, in denen Sie am liebsten "alles hingeschmissen" hätten? Wenn ja, wie haben Sie sich oder was hat Sie zum Weitermachen motiviert?
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Wenn hinschmeißen heißt, etwas zu unwiderruflich zu beenden, dann ist meine Antwort Ja. Ich habe zum Beispiel meinen ersten erlernten Beruf aufgegeben. Als Beamter in einer Behörde habe ich keine Erfüllung gefunden. Also habe ich nach langen inneren Kämpfen entschieden, Theologie zu studieren. Die Frage nach Gott fand ich viel spannender als die Frage nach Abwassergebühren. Wichtig war aber, ich schmeiße nicht mein ganzes Leben hin, sondern ich gebe eine Sache auf, um mich einer anderen zu widmen. Wer an einer Aufgabe oder an seinem Beruf scheitert, der darf was Neues anfangen. Heute halte ich für entscheidend, das zu finden, was wirklich zu mir passt. Und das kann sich über die Jahre ändern. Ich habe gerne als Pfarrer in der Gemeinde gearbeitet, bin jetzt aber an einem Institut tätig. Wenn Hinschmeißen meint, nach einem Misserfolg frustriert aufzugeben, dann Nein. In meinem Leben hat selten etwas von Anfang richtig gut geklappt. Weder war ich sofort ein guter Tischtennisspieler, noch war ich stets ein Musterschüler. Vermutlich waren es aber zwei Dinge, die mich motiviert haben durchzuhalten. Erstens, ich habe gemerkt, dass ich immer wieder dazu lerne. Im Tischtennis wurde ich stets ein wenig besser. Neben Frustrationen gab es auch immer Erfolgserlebnisse. Zweitens, ich hatte Mitspracherecht. Wenn mir das Training zu viel wurde oder nicht gefiel, dann konnte ich das meinem Trainer sagen. Gemeinsam haben wir dann überlegt, was zu ändern sei. Zum Glück hat keiner meiner Trainer hat nach der Devise gearbeitet: „friss oder stirb“, bzw. „Klappe halten und gehorchen“.
Wie bereiten Sie sich auf einen Wettkampf, auf eine "Prüfung" vor? Wie stellen Sie sich auf Unvorhergesehenes oder Unvorhersehbares ein?
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Vorbereiten heißt, viel Trainieren. Je näher der Wettkampf rückt, desto mehr trainiere ich Wettkampfsituationen. Also flexible Aufschläge, Kurzsätze gegen unterschiedliche Schlägerbeläge (fordert schnelles Einstellen auf die Situation). Unvorhergesehenes wird mit Störungen trainiert. Etwa indem auf die Tischtennisplatte Bierdeckel gelegt werden. Kommt der Ball da auf, springt er flacher ab als üblich. Dann kann man darüber meckern, oder man versucht weiterzuspielen. Bei Prüfungen mache ich es genauso. Erst eine Lerngruppe bilden und dann Prüfungen simulieren. Da kann man bewusst irritierende Fragen stellen, oder jemand stört mit einem Geräusch, und man versucht dennoch konzentriert zu bleiben. Können und Konzentration sind die beiden wichtigsten Dinge in Wettkampf und Prüfung. Und Konzentration meint auch Überwindung der Angst.
Hatten Sie schon einmal Angst vor irgendwem oder irgendetwas? Wenn ja, wie sind Sie mit der Angst umgegangen?
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Vor jedem wichtigen Wettkampf habe ich Angst zu versagen. Und vor jeder ungewissen Situation auch. Wenn ich zum Beispiel ein Seminar für Personalführungskräfte mache, die alle vom Chef zur Teilnahme verpflichtet wurden, dann habe ich keine Ahnung, ob die alle abblocken oder kooperativ sind. So etwas verunsichert und beunruhigt mich. Weglaufen wäre nun eine Möglichkeit mit der Angst umzugehen. Aber dann hätte ich nie Gold gewonnen. Also versuche ich die Angst zu überwinden und kleiner zu machen. Zum einen sage ich mir, wenn Du verlierst ist das auch kein Drama. Zum anderen versuche ich mich ganz auf meine Aufgabe zu konzentrieren. Statt über Gewinnen und Verlieren nachzudenken, spiele ich im kopf immer wieder meine Bewegung für einen Vorhandtoppspin durch. Ich wiederhole ständig meine Taktik, die ich umsetzen möchte. Das lenkt mich von der Angst ab und dann kann ich mich im Wettkampf sofort an die Taktik erinnern.
Haben Sie einen Tipp für Schüler, die Prüfungsangst haben?
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Ich habe sogar zwei. Erstens, viele Prüfungen machen. Die Prüfungssituation ist ein Ernstfall wie ein großes Turnier. Vor jeder Paralympics spiele ich viele, relativ unwichtige Turniere nehme sie aber ganz ernst. Vor einer wichtigen Prüfung kann man auch Prüfungen spielen, die man aber ernst nehmen sollte. So kann man sich an die Situation gewöhnen. Vor meiner ersten Predigt in der Gemeinde, habe ich predigen vor Freunden geübt. Sobald uns eine Situation vertraut ist, verringert sich die Unsicherheit und Angst. Bevor ich in Peking im Wettkampf stand, habe ich bereits in dieser Arena trainiert. Gut ist es, den Prüfungsraum und wenn möglich, den Prüfer zu kennen Zweitens, das Ergebnis einer jeden Prüfung hängt nie alleine vom Prüfling ab, sondern immer auch vom Prüfer. Es gibt gute Prüfer, die alles aus den Kandidaten rausholen, was diese wissen. Und es gibt schlechte Prüfer, die permanent verunsichern und unverständliche Fragen stellen. Im Sport haben der Gegner und unvorhergesehene Ereignisse immer auch Einfluss auf Sieg oder Niederlage. Alles, was ich als Athlet oder Prüfling machen kann, ist mich auf meine Aufgabe zu konzentrieren und alles zu geben. |
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