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Sabriye Tenberken
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BELTZFORUM
   

Sabriye Tenberken

 

Die blinden Kinder von Tibet








Sabriye Tenberken ist seit Geburt sehgeschädigt. Eine angeborene fortschreitende Netzhaut-Degeneration führte langsam zur Erblindung. Während ihres Studiums an der Friedrich-Willhelms-Universität, Bonn, befasste sie sich im Rahmen der Zentral-Asien-Wissenschaften mit den Schwerpunkten "Tibet" und "Mongolei". Hinzu kam ein Intensivkurs der modernen chinesischen Sprache. Als Nebenfächer wählte sie Philosophie und Soziologie. Da sich zuvor noch kein Blinder an den Studiengang der Zentralasien-Wissenschaft gewagt hatte, konnte Sabriye Tenberken auf keinerlei Erfahrung zurückgreifen und musste eigene Methoden zur Bewältigung des Studiums entwickeln. Auf diese Weise entwickelte Sabriye im Jahre 1992 eine tibetische Blindenschrift, die auf der in Europa und Amerika bewährten Sechs-Punkte-Brailleschrift basiert und die in ihrer Konzeption an das tibetische Silbenschriftsystem angelehnt ist. Sie ist daher auch für tibetische Blinde, die bisher keine eigene Blindenschrift hatten, verhältnismäßig leicht zu erlernen.
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Aus Forschungsgründen reiste Sabriye ohne sehende Begleitung im Sommer 1997 nach Tibet. Ihr Interesse galt im besonderen den Lebensbedingungen blinder Menschen speziell im tibetisch-sprachigen Raum. In der Autonomen Region Tibet lernte sie blinde Jugendliche und Erwachsene kennen, die ihr über ihre Lebensgeschichte sehr schnell vermittelten, was Blindsein in Tibet bedeutet. Angeregt durch diese Gespräche erarbeitete sie ein Konzept für ein Programm, in dem vorerst blinde Kinder unterrichtet werden sollen. Sabriye Tenberken ist in Lhasa für die Koordination, Organisation und Planung ihres Projektes „Braille without Boarders – The Right to be blind without being disabled“ verantwortlich. Sie übernahm zu Beginn das Training der Ausbilder und den Blindenschriftunterricht der Schüler. Diese Aufgabe wurde aber bereits an ausgebildete Lehrkräfte des Zentrums weitergeleitet. Zuständig ist sie für die Kommunikation mit chinesischen Behörden und internationalen Organisationen und wirbt durch viele Medienauftritte und Präsentationen weltweit für das notwendige Spendenaufkommen.
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Diese Lebensgeschichte hat Sabriye zusammen mit dem Studienhaus am Dom in einer Lesung in Freiburg interessierten 150 Zuhörern präsentiert. Wir hatten die Veranstaltung „Die blinden Kinder von Tibet“ genannt. Denn die stehen im Mittelpunkt des Handelns von Sabriye und ihrem Lebensgefährten Paul Kronenberg.
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Als der blinde Tashi noch ganz klein war, wurde er von seinem Vater zum Betteln gezwungen und allein gelassen. Gyendsen war allseits beliebt und ein sehr guter Schüler. Dann erblindete er. Sogar seine Eltern gaben ihn auf, und Gyendsen zog sich von der Welt zurück. Auch Kyila, ein Mädchen, das erfahren hat, dass sie als Blinde für die Gemeinschaft keinen Wert besitzt, musste erst wieder lernen, Zutrauen zu sich selbst und den eigenen Fähigkeiten zu entwickeln.
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Noch immer kommt es vor, das Blindsein als Strafe Gottes angesehen wird und blinde Kinder ausgesetzt werden und als Straßenkinder leben müssen oder jahrelang an das Bett gefesselt werden. Sabriye und Paul geben diesen Kindern in ihrer Schule die Möglichkeit lesen und schreiben zu lernen. Und sie lernen unglaublich schnell und sind sehr wissbegierig. In sensationellen 3 Monaten lernen die Kinder ohne fremden Antrieb in 3 Sprachen die Blindenschrift und die Sprachen selbst. Tibetisch, Chinesisch und Englisch. Dies führt dazu, dass die blinden Kinder in der Schule in Lhasa innerhalb ihrer jeweiligen Familien und Dorfgemeinschaften oft die einzigsten Personen sind, die Lesen und schreiben können und mehrere Sprachen beherrschen.
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Sabriye und Paul arbeiten stärken- und nicht schwachstellenorientiert. Sie versuchen die Stärken der Kinder zu entdecken und zu fördern. Ein Junge, der gerne Käser werden wollte, durfte in Holland in die Lehre gehen und ist nach seiner Rückkehr nach Tibet ein erfolgreicher Geschäftsmann geworden. Ein anderer Junge wollte unbedingt Taxifahrer werden. Da dies aus verständlichen Gründen unmöglich war, hat er begonnen ein Taxiunternehmen zu leiten. Erfolgreich. Wichtig ist die Tatsache, dass jeder einzelne Mensch wertvoll ist, als Mensch. Wertvoller als die Summe seiner Eigenschaften. Ich kann nicht alles, aber ich bin wer. Nur diese Ausgangsposition schafft Selbstvertrauen und Eigenverantwortung. Ein wichtiges Gefühl zum Gelingen des Lebens.
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Das Studienhaus am Dom bleibt mit Sabriye und Paul in Kontakt und wir versuchen voneinander zu lernen.


Konrad Scheib
 
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Stimmen



"Die Begegnung mit der blinden Sabriye Tenberken hat mich tief beeindruckt - ich bewundere so viel Mut und Engagement für ihre Arbeit im fernen Tibet."
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Alfred Biolek
 
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Bücher





Bücher von Sabriye Tenberken:

 Mein Weg führt nach Tibet
 Autorin: Sabriye Tenberken, Fotos: Paul Kronenberg
 Tashis neue Welt
 Autorin: Sabriye Tenberken, Fotos: Olaf Schubert
 Das siebte Jahr – Von Tibet nach Indien
 Autorin: Sabriye Tenberken, Fotos: Paul Kronenberg
 
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Internet


Sabriye Tenberken im Internet:
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» www.braillewithoutborders.org